Ich muss, ich darf, ich kann: der alles entscheidende Effekt vom eigenen Selbstbild

Wer kennt das nicht? In den letzten Jahren haben nicht nur Post It`s und Workshops Einzug in den Büroalltag erhalten. Plötzlich muss alles agil sein und New Work ist das neue Wort am Unternehmenshimmel. Neue Zeiten neue Herausforderungen! Nicht alles, was man damals gelernt hat ist falsch und trotzdem muss man offen sein für Neues. In Deutschland wird Neues oftmals gleich mit Gefahr gleichgesetzt. Doch ist das Entscheidende gar nicht, dass etwas neu ist, sondern wie man mit diesem Neuen umgeht und sich dem nähert. Hier kann ein Ansatz aus der positiven Psychologie hilfreich sein. Denn oft sind es nur kleine Formulierungen die uns ganz andere Perspektiven annehmen lassen.

Nehmen wir mal diesen Satz der dir vielleicht schon begegnet ist.

„Du musst jetzt agil arbeiten!“ Klingt nicht sonderlich motivierend, oder?

Hingegen: „Du hast jetzt die Chance, dich mit einer agilen Methode vertraut zu machen!“ Klingt doch gleich schon viel motivierender? Wie wir mit dieser Herausforderung umgehen können, erklärt sich anhand des eignen Selbstbildes.

 

Was hast du für ein Selbstbild?

Wir können zwei Selbstbilder von uns haben: Mit einem dynamischen Selbstbild (Growth Mindset) tendieren wir dazu, Hindernisse zu überwinden, Herausforderungen zu suchen und aus Kritik zu lernen. Menschen mit einem statischen Selbstbild (Fixed Mindset) hingegen versuchen, Herausforderungen zu vermeiden und bei Problemen aufzugeben. Sie denken, dass Intelligenz, Stärken und Talente angeboren sind und verfallen gerne in Denkmuster wie: „Das werde ich nie schaffen!“ Aber wenn wir das ständig über uns denken, werden wir uns wohl wenig bemühen, Dinge in unserem Leben, die uns unzufrieden machen, anzugehen oder zu verändern. Das macht auf Dauer unzufrieden und führt zu Stress. Ein Beispiel aus meiner Coaching-Praxis: Susanne, eine Klientin von mir, kam mit dem Wunsch, sich beruflich neu zu orientieren, endlich einmal mehr zu wagen als bisher. Sie ist Mitte Vierzig und arbeitet seit über acht Jahren in der Buchhaltung einer Firma. Diese Aufgabe erfüllt sie nicht mehr so richtig und macht sie unzufrieden. Für sie ist klar: Sie muss etwas verändern! Als sie zu mir ins Coaching kommt, erfrage ich erstmal, was denn für sie richtig gut wäre. Welcher Job und welche Tätigkeit würde sie erfüllen? Sie hat sofort eine Vision: Sie möchte mehr Verantwortung im Job übernehmen. Vielleicht ein Team leiten. Ihre Erfahrungen an neue Kollegen weitergeben. Vielleicht sogar Workshops geben. Aber als ich sie ermutige, tiefer in diese Vision hineinzuspüren, kommen sofort ganz viele kritische Stimmen in ihr hoch: „Du bist doch viel zu schüchtern, um vor  einer Gruppe zu stehen!“, „Du und Teamleitung – vergiss es, das schaffst du nie!“, „Wie willst du das denn dem Chef verkaufen?“, „Was werden wohl meine Kollegen dazu sagen?“ Diese Stimmen halten Susanne davon ab, ihrer Vision näher zu kommen. Sie zieht sich zurück und denkt, dass sie es niemals schaffen wird, ihren beruflichen Veränderungswunsch anzugehen. Wenn sie weiterhin an diesen Gedanken festhält, wird sie das nicht zu Zufriedenheit und Erfüllung im Job führen.

 

Wir müssen ihren Mindset stärken – weg vom Fixed hin zum Growth Mindset

Wie kommt Susanne nun weg von ihrem statischen Selbstbild, das sie in ihrer Weiterentwicklung blockiert, hin zu einem dynamischen Selbstbild, das Veränderungen vorantreibt und Stressgedanken reduziert? Erst einmal mache ich ihr in unserer gemeinsamen Coaching-Arbeit bewusst, dass sie in diesem statischen Selbstbild keine Veränderungen erzielen wird. Wir erarbeiten ein persönliches Stärkenprofil von Susanne: Was fällt ihr leicht, was macht ihr Spaß und gibt ihr Energie? Ich bestärke Susanne in dem Prozess, in dem sie sich gerade befindet, in ihren Anstrengungen, ihren Strategien, ihrem Fokus, ihrer Ausdauer und ihren Fortschritte mit der beruflichen Neuorientierung. Das härtet Susanne ab und macht sie belastbar. Nun kommt das Zauberwort „fast“ mit ins Spiel. Wir erarbeiten Strategien innere Antreiber, die Susanne motivieren, an ihrer Vision dranzubleiben. Susanne erarbeitet Sätze für sich, wie: „Du hast fast alles, was du brauchst, um Teamleader zu werden“ oder „Du bist noch nicht ganz dort, wo du sein möchtest, kannst es aber schaffen“. Wieso das funktioniert? Weil die simplen Wörter „fast“ und „nicht ganz“ ihr einen Weg eröffnen, der zu mehr Ausdauer führt und so ein größeres Selbstvertrauen geben. Changing Mindsets – mit dieser Idee können wir unsere Einstellung aktiv beeinflussen und verändern.

Raus aus der Komfortzone, rein ins neue Leben

Aber warum entwickeln sich manche Menschen ihr Leben lang weiter und werden erfolgreich, während andere in ihrer Entwicklung stehen bleiben? Mit dieser Frage hat sich die amerikanische Psychologin Prof. Carol Dweck intensiv beschäftigt. Sie hat in Studien mit mehreren tausend Schülern herausgefunden, wie sich die Leistungssteigerung und Lernfähigkeit eher schwacher Schüler verbessern lässt. So sagte sie beispielsweise den Kindern, dass jedes Mal, wenn sie sich aus ihrer Komfortzone herauswagten, um etwas Neues oder Schwieriges zu lernen, die Neuronen in ihrem Gehirn neue und stärkere Verbindungen bildeten und sie daher mit der Zeit intelligenter würden. Die Studie zeigte auch, dass Schülern, denen diese wachstumsorientierte Haltung nicht erklärt wurde, in der nächsten Jahrgangsstufe ihre schlechten Noten behielten. Die Schüler allerdings, die eine Erklärung erhalten hatten, wurden deutlich besser.

Diese Studien beweisen, wie wichtig es ist, an sich selbst zu glauben und sich Dinge zuzutrauen – so kannst du auch in unserer Gesellschaft etwas bewirken.

BEGINNE DICH SELBST ZU REFLEKTIEREN!

Versuche, dich aus einer anderen Perspektive zu beobachten.

  • Gehe ein paar Situationen der letzten Woche durch und frage dich: Habe ich dort eher wachstumsorientiert oder eher statisch gedacht?
  • Denke an eine Challenge, die in den nächsten Wochen ansteht. Mit welchem Mindset gehst du in diese Situation?
  • Denke an einen Traum oder eine Vision von dir. Etwas, das du in deinem Leben haben möchtest. Wie denkst du darüber? Growth Mindset oder Fixed Mindset?
  • Finde heraus, welche Auslöser bei dir zu einem statischen Denken führen, etwa wenn du gestresst oder erschöpft bist. Oder wenn du dich mit bestimmten Personen umgibst oder vergleichst.

Viel Spaß mit deinem Growth Mindset – du hast schon fast alles dafür, was du brauchst!